Die Villa

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Bei diesem Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar. Aus diesem Grund kennzeichne ich diesen Beitrag mit |Werbung|. Für meine Beiträge werde ich grundsätzlich nicht bezahlt.

schädlich
Bildquelle: Rowohlt Verlag

Allgemeines:

Hans Joachim Schädlich siedelte 1977 von der DDR in die Bundesrepublik über. In der DDR war er ein bekannter, aber für das Regime unbequemer Schriftsteller, da er die politischen Verhältnisse in seinen Büchern kritisierte.

Er erhielt für sein Werk unter anderem den Bremer Literaturpreis und für sein politisches Engagement das Bundesverdienstkreuz.

Die Villa ist im Rowohlt Verlag am 10. März 2020 in gebundener Form erschienen und umfasst 192 Seiten.

Inhalt:

„Eine Gründerzeitvilla wie aus dem Bilderbuch: schmiedeeisernes Tor, zu seiten der Auffahrt ein großer Springbrunnen, der Eingang flankiert von hohen Kandelabern, Rhododendron und Rosen im verwunschenen Park, zweigeschossige Treppenhalle, Salon, Herren- und Speisezimmer, Stuck, Bleiglasfenster, Zimmerfluchten unten wie oben, Parkett oder gefliest. Bewohnt wird die Villa, die in der vogtländischen Kleinstadt Reichenbach steht, seit 1940 von Hans und Elisabeth Kramer, ihren vier Kindern und dem Personal. Doch die sorglose Zeit währt nicht lange. Der Vater – Wollkaufmann und überzeugter Nationalsozialist – kann angesichts der Verbrechen des Naziregimes an seinem Glauben nicht festhalten. Nach seinem frühen Tod wird die Familie von den Schrecken des Krieges eingeholt.

In seinem Buch „Die Villa“ hat sich Hans Joachim Schädlich den Jahren zwischen 1931 und 1950 zugewandt, der Zeit vom Ende der Weimarer Republik bis zu den Anfängen der DDR. In virtuoser Verdichtung erschafft er ein Psychogramm des vermeintlich harmlosen Durchschnittsmenschen, wie es aktueller nicht sein kann, und er führt vor Augen, wie eine Familie im Widerstreit von Wahn und Gewissen die Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegsjahre erlebt. Getreu seiner Maxime, dass das Entscheidende einer Erzählung die Leerstellen sind, lässt er Raum für eindrucksvolle Bilder, Stimmungen und auf historischen Fakten fußende Imagination. (…)“ (Quelle: Rowohlt Verlagsseite)

Meine Meinung:

Hans Joachim Schädlich war mir bisher nur durch sein Buch Der Sprachabschneider bekannt. Ein Buch, das im Deutschunterricht sehr beliebt ist. Mir war bislang nicht bewusst, dass Schädlich ein sehr geschätzter Schriftsteller ist.

Mit Die Villa legt er ein politisches und zeitgeschichtliches Buch vor, das sich mit den 1930er bis 1950er Jahren beschäftigt. Am Beispiel der Familie Kramer entwickelt Schädlich seine Handlung. Im Prolog stellt schädlich eine alte Gründerzeitvilla vor. Diese Vorstellung zieht sich über zweieinhalb Seiten. Das Faszinierende daran ist, dass man beim Lesen eine genaue Vorstellung von dieser Villa erhält, obwohl schädlich kaum Adjektive verwendet und ganz nüchtern schreibt. Das ist für mich sehr erstaunlich, denn lernt man nicht schon in der Schule, dass Adjektive zu jeder guten Beschreibung gehören? Schädlich führt diesen Anspruch ad absurdum. Großartig gemacht! Das gilt auch für den Rest des Buches: nüchterne Sprache, die starke Emotionen hervorruft. Das schaffen nicht viele Schriftsteller.

Man muss sehr aufmerksam lesen, die weiteren Kapitel sind stark verdichtet, es gibt viele Personen und viele Namen, die man sich merken muss. Man wird durch die Familien Kramer und Ruttig geführt und erfährt eine Menge über ihre politischen Einstellungen, über ihre soziale Umgebung, ihre Berufe, ihre Wünsche und Hoffnungen. Schädlich umreißt die Zeit des aufkommenden Nationalsozialismusˋ und scheut sich nicht, den Finger in die Wunde zu legen. Er widmet sich der politischen Gesinnung der NSDAP, der Frage werten und unwerten Lebens, den Überlegungen, eine Heirat einzugehen oder eben nicht, wenn der Bruder der Braut so gar nicht dem nationalsozialistischen Ideal entspricht, nur, weil er ein wenig sonderbar ist.

Man merkt schnell, wer eine eigene Haltung bewahren kann, wer zum Mitläufer wird und wer aktiver Nationalsozialist sein möchte. Die Rolle der Frau wird mehr oder weniger direkt angesprochen: Mädchen müssen nicht studieren, sie sollen lieber brav zu Hause sitzen und den Haushalt führen. Auch das ein nationalsozialistisches ideal, das – neben dem möglichst zahlreichen Kindersegen – eine wichtige Rolle spielte.

Dieses Buch ist wirklich nicht dick, aber es enthält dennoch eine Fülle an Informationen. Vieles wird nur angerissen, bleibt aber gerade deshalb eindrücklich hängen. Man lernt bei Schädlich, zwischen den Zeilen zu lesen.

Dieses Buch hat nicht „den einen Protagonisten“, sondern eigentlich ganz viele. Jedes Familienmitglied hat seine ganz eigene Rolle, jeder ist wichtig. Alle Familienmitglieder, alle Orte und alle Ereignisse sind unbedingt notwendig, um die erzählte Geschichte wirklich zu verstehen.

Schädlich führt den Leser durch den Zweiten Weltkrieg, die Besatzungszeit, aber auch durch das Nachkriegsdeutschland, so dass man einen eindrucksvollen Überblick bekommt. Dabei steht immer das Alltagsleben im Mittelpunkt, das so ganz nebenbei die politische Situation einbezieht.

Fazit:

Wenn man dieses Buch wirklich genießen will, sollte man über die Zeit des Nationalsozialismusˋ Bescheid wissen.

Denn das Buch fordert genaues Lesen und ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, sonst verliert man ganz schnell den Überblick.

Für mich ist Die Villa ein ganz besonderes Buch.

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