Von dieser Welt

#rezensionsexemplar

Von dieser Weltdtv
Bildquelle: dtv

Allgemeines:

James Baldwins Von dieser Welt erschien bereits 1953 auf Deutsch und wurde nun neu übersetzt. Baldwin wurde in New York geboren und lebte von 1924 bis 1987. Er gilt als einer der wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Er war in der Bürgerrechtsbewegung aktiv und setzte sich sehr für die Gleichberechtigung der Schwarzen ein. Von dieser Welt ist ein autobiografischer und zudem sein erster Roman. Das Buch ist bei dtv im Februar 2018 in gebundener Form erschienen und hat 318 Seiten.

Inhalt:

„John Grimes ist ein schwarzer, empfindsamer Junge aus Harlem, sexuell unschlüssig, seine einzige Waffe zur Selbstverteidigung ist sein Verstand. Aber was nützt es, von den weißen Lehrern gefördert zu werden, wenn der eigene Vater einem tagtäglich predigt, man sei hässlich und wertlos, solange man sich nicht von der Kirche retten lässt. John sehnt sich danach, selbst über sein Schicksal zu entscheiden, nicht sein Vater, den er trotz allem liebt, nicht ein Gott, den er trotz allem sucht. Als am Tag von Johns vierzehntem Geburtstag sein Bruder Roy von Messerstichen schwer verletzt nach Hause kommt, wagt John einen mutigen Schritt, der nicht nur sein eigenes Leben verändern wird.“ (Quelle: dtv)

Meine Meinung:

Protagonist ist John Grimes, ein 14-jähriger schwarzer Junge. Er hat die typischen Probleme der Pubertät und wächst im Harlem der 1930er Jahre auf. Schwarze und Weiße Leben nicht gerade friedlich und schon gar nicht gleichberechtigt miteinander. Er wächst in einem religiösen Umfeld auf, sein Familienleben ist von Konflikten geprägt. Es gibt viele Rückblenden, die Johns Familie auch im weiteren Umfeld einbeziehen.

Die Thematik des Buches ist höchst aktuell. Durch die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, der eindeutig rassistisch denkt und Weiße für die besseren Menschen hält, erhält die Thematik von Von dieser Welt eine Brisanz, die Baldwin sicherlich gefreut hätte, wenn er sie noch erlebt hätte. Andererseits wäre er frustriert gewesen, frustriert darüber, dass auch im Jahr 2018 Schwarze und Weiße in Amerika immer noch nicht gleichberechtigt miteinander leben.

Ich habe schon einige Bücher zu diesem Thema gelesen: Wer die Nachtigall stört, Roots, Die Farbe Lila, Geister. Alle Bücher haben mich tief berührt und so geht es mir auch mit diesem Buch.

Schade ist, dass für die deutsche Übersetzung nicht der Titel des Originals Go tell it on the Mountains gewählt wurde, ein Spiritual aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, das allen bekannt sein dürfte und sehr viel besser gepasst hätte, drückt es doch den Spirit und die Message des Buches sehr viel besser aus als der deutsche Titel.

Das Buch beginnt mit einer Einführung zu James Baldwin. Das gefällt mir sehr gut, denn nur so kann man sein Buch vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und historischen Entwicklung gut verstehen und liest es völlig anders, einfach intensiver.

Erzählt wird aus der Sicht eines allwissenden Erzählers, das ist gut gewählt. So kann man mit einer gewissen Distanz auf John und seine Familie schauen und sich sein eigenes Bild machen. Für mich schwierig nachzuvollziehen ist die große Bedeutung der Religiosität in diesem Buch. Mir ist zwar bewusst, dass diese in Amerika einen viel größeren Raum einnimmt als beispielsweise in Deutschland, aber manchmal ist mir das zu viel. Andererseits nehmen die Religion und besonders auch die Spirituals eine wichtige Rolle in der Bürgerrechtsbewegung Amerikas ein, hieraus zogen die Teilnehmer ihre Kraft, um so das Unrecht und die Brutalität besser aushalten zu können.

Der Erzählstil Baldwins ist geprägt von detailreichen Beschreibungen, dadurch werden die Gefühlszustände der Protagonisten eindrücklich betont, ihre Umgebung gewinnt an Konturen, man fühlt sich als Leser mitgenommen.

Das Cover besticht durch seine Schlichtheit. Abgebildet ist der halbe Kopf eines schwarzen Jungen oder Jugendlichen. Der Titel des Buches passt sehr gut dazu, denn jeder ist „von dieser Welt“.

Fazit:

Ich habe dieses Buch gern gelesen, kann es aber nur denen empfehlen, die sich für Politik, Zeitgeschichte und die Bürgerrechtsbewegung in Amerika interessieren.

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