Mudbound – Die Tränen von Mississippi

#rezensionsexemplar

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Bildquelle: Piper Pendo

Allgemeines:

Hillary Jordans Roman Mudbound – Die Tränen von Mississippi ist bereits 2009 in Amerika erschienen. Jordan hat sieben Jahre an diesem Buch geschrieben, das gleich nach Erscheinen hoch gelobt, mit namhaften literarischen Preisen ausgezeichnet und in mittlerweile 15 Sprachen übersetzt wurde.

Mudbound ist von Netflix verfilmt worden und hat am 17.11.2017 weltweit Premiere gefeiert. Das Buch ist am 02.11.2017 bei Piper Pendo als Paperback erschienen, umfasst 375 Seiten und kostet 15 Euro.

Für alle, die neugierig sind, habe ich einmal den Trailer zur Verfilmung rausgesucht, die seit dem 17.11.2017 auf Netflix zu sehen ist:

(Quelle: Youtube, Netflix, Moviepilot Trailer)

Inhalt: 

„»Mudbound ist gigantisch!« The Guardian

Mississippi, 1946: Laura McAllan ist ihrem Ehemann zuliebe aufs Land gezogen, der als Farmer einer Baumwollplantage Fuß fassen will. Doch ihr ist die Umgebung fremd, und auf Mudbound gibt es weder fließendes Wasser noch Strom. Unterstützung erhalten die McAllans durch die Jacksons, ihre afroamerikanischen Pächter. Die aufgeweckte Florence Jackson hilft Laura, wo sie nur kann. Aber auch wenn der Alltag sie an ihre Grenzen treibt und sie für gewöhnlich nicht auf den Mund gefallen ist, würde sie es nicht wagen, ihre Stimme zu erheben und Missstände anzumahnen. In diese angespannte Situation geraten zwei junge Kriegsheimkehrer: Florences Sohn Ronsel und Lauras Schwager Jamie. Deren Freundschaft wird zu einer Herausforderung für beide Familien, und so lassen Missgunst und Ausgrenzung die Stimmung bald kippen …“ (Quelle: Piper Verlag)

Meine Meinung:

Mudbound wurde bereits vor dem Erscheinen in Zeitschriften, Magazinen und im Buchhandel beworben, sodass ich zunächst dachte, dieses Buch will ich in keinem Fall lesen. Denn Werbeaktionen, auf deren Grundlage man ein Buch kauft, haben mich meistens im Nachhinein enttäuscht. Und wenn dann noch, wie bei Mudbound, ein Film zum Buch Grund für das massive Bewerben ist, bin ich mittlerweile besonders misstrauisch. Dieses Mal aber muss ich meine früheren Erfahrungen beiseite legen. Mudbound entspricht so gar nicht den gängigen Klischees von Südstaatenromanen.

Ort der Handlung ist Mississippi im Jahr 1946. Der zweite Weltkrieg ist vorbei, das Leben beginnt, wieder in normalen Bahnen zu laufen. Erzählt wird aus der Perspektive der Protagonisten, die Kapitel sind jeweils mit ihren Namen überschrieben, was die Orientierung beim Lesen sehr erleichtert. Jeder von ihnen nimmt die Menschen und Geschehnisse um sich herum vollkommen anders wahr. Man merkt schnell, dass das geradezu nach Konflikten schreit. Hinzu kommt die (leider auch heute noch aktuelle) Thematik des Rassismus.

Jordan gelingt es großartig, jedem Charakter ihres Romans Glaubwürdigkeit zu verleihen. Sie lässt jeden seine eigene Sprache sprechen, seine eigenen Gedanken zu seiner Rolle in der Gesellschaft, seine Vorurteile und Meinungen formulieren. Dem Leser erschließt sich so ein stimmiges Bild des großen Ganzen, ohne dass er dazu gedrängt wird. Man muss einfach eine Haltung zu den Geschehnissen entwickeln, merkt man doch, wie ähnlich die Gesellschaft in Bezug auf die hochaktuelle Flüchtlingsthematik den Protagonisten in Mudbound ist.

Ronsel, Sohn der afroamerikanischen Pächter auf Henrys Farm, kehrt aus dem Krieg in sein Heimatdorf zurück:

„Wieder zu Hause, welch ein Jubel! Affe, Schwarzgesicht, Nigger. Ich hatte für mein Land gekämpft und bei meiner Rückkehr festgestellt, dass es sich kein bisschen verändert hat. Schwarze saßen noch immer hinten im Bus, mussten die Hintertür benutzen, pflückten Baumwolle für die Weißen und bettelten um Verzeihung. […] Und die schwarzen Soldaten, die gefallen waren, waren eben tote Nigger.“ (S. 169)

Anders als Harper Lee in Wer die Nachtigall stört erzählt Jordan von einer anderen, späteren Zeit in den Südstaaten. Sie gibt ihren Charakteren mehr Tiefe, lässt sie stärker über Recht und Unrecht nachdenken. Dieses ist sicherlich auch dem Umstand geschuldet, dass Lees Roman bereits 1960 erschien, einer Zeit, die von politischem Umbruch geprägt war, einer Zeit, in der Rassismus oft nur hinter vorgehaltener Hand thematisiert wurde. Zudem setzt Lee einen anderen inhaltlichen Schwerpunkt und lässt ihre Handlung in den 1930er Jahren spielen. Beide Romane sind wichtig und ergänzen einander wunderbar. Auffallend ist zudem, dass die Cover beider Bücher sehr ähnlich gestaltet sind. Ich vermute, dieses geschah nicht unabsichtlich.

Fazit:

Ein Buch, das sowohl spannend als auch beklemmend ist. Denn es führt uns vor Augen, wie Emanzipation im Kleinen funktionieren kann und wie es gelingt, sich nicht alles gefallen zu lassen und seine Würde zu bewahren. Es zeigt aber auch sehr drastisch, dass auch Zivilcourage nicht immer ein gutes Ende nimmt. Was mich außerdem beeindruckt: Jordan hat sich unglaublich gut mit den 1940er Jahren in Amerika auseinander gesetzt.

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